Ein wunderbares Wort. Erstmals an das Volk Israel gerichtet, gilt diese Zusage bis in unsere Zeit hinein. Wir, die wir schon ergraute Haare haben – und die meisten von uns, die wir die deutsche Seite des Jorev regelmäßig lesen, haben wohl ergraute Haare – wir haben es schon so lange erfahren dürfen: er umhegt uns, er trägt uns. Wie oft haben wir in schwierigen Zeiten Seine Nähe erfahren dürfen, und nun heißt es: Auch im Alter will ich mit euch sein.
Ja, auch im Alter. Er ist in unserer Nähe, Er trägt uns. Er hat es versprochen. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt einfach unsere Hände in den Schoß legen und auf Seine Hilfe warten wollen. Wenn wir möchten, dass Gott sein Versprechen hält, dann sollen wir doch unser Teil hinzu tun. Und das muss immer von Neuem gelernt werden. Das Aufwachsen musste gelernt werden, der Beruf musste erlernt werden, das Miteinander in der Arbeit, in der Familie, im Freundeskreis musste erlernt werden, und so muss auch das Eraltern erlernt werden, wenn wir ein Gott wohlgefälliges und frohes Alter leben wollen.
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Ich bin bis ins Alter hinein der gleiche und will euch bis zum Ergrauen weiter tragen. Ich habe es getan und werde es auch weiter tun; ich will tragen und erretten (Jes 46.3-4). |
So trafen sich im September die im Ruhestand stehenden kirchlichen Mitarbeiter von Rio Grande do Sul – Diakonissen, Pfarrer und ihre Frauen, Pfarrwitwen – unter dem Thema: „Das Altern erlernend“.
Ja, was soll man da erlernen? Das kommt doch von alleine! Ja, das stimmt. Aber wenn ich ein Alter in Übereinstimmung mit Gott, in Übereinstimmung mit meiner Familie, in Übereinstimmung mit meinen Freunden und Freundinnen, mit meiner Umgebung und mit meiner Kirchengemeinde leben möchte, und dazu noch voller Freude, dann gilt es doch manches zu lernen – bis zu unserem Ende.
Als Erstes würde ich sagen: Niemals in der Einsamkeit! Gemäß eines Artikels in der Zeitschrift „Galileu“ ist das Fehlen vom Zusammenleben mit Familie und Freunden gefährlicher für ein gesundes Alter als trinken und rauchen. Sich von der Welt absondern, zurückziehen, ist gefährlicher als Obesität und Sedentarismus. Also wollen wir zusammen mit unserer Familie, und zusammen mit unseren Freunden das Altern erlernen und erleben.
In einem „Gebet des alten Menschen“ von P. Kleos Magalhães Lens César heißt es: „Herr, ich war jung und jetzt bin ich alt, ich habe schon viel gelernt, aber ich möchte weiterhin lernen. Öffne meine Augen, dass ich spüre, was ich noch nicht gespürt habe, lehre mich neue Dinge.“
„Ich war jung, jetzt bin ich alt“, so sagt jener Pfarrer ohne zu verschönern. Nichts von „drittem Alter“, von „Senior e n “ , v o n „Bestem Alter“ und ähnlichen Verschönerungen, mit denen man manchmal das Altern verstecken will. Ich bin alt. Man spürt bei diesem Gebet sogar ein bisschen Stolz. Stolz auf das Altsein. Wie schön alt-sein mit Stolz, mit Freude, ohne Reklamation!
Wenn die anderen uns manchmal auf die Nerven fallen, ob Nachbarn, ob Enkel, oder ob sonst noch jemand, dann gilt es vielleicht sogar von einem Hund zu lernen, wie es uns ein Abschnitt in dem Buch zeigt, das jetzt im November unter dem Titel „Cabelo Branco – Cuca Fresca“ erscheint (Originaltitel: Aging Joyfully – von Richard Bimler und Übersetzung ins portugiesische von Bruno F. Rieth). Da heißt es etwa so: „Ein alter und müder Hund tauchte vor dem Haus eines 80-jährigen auf. Der Hund schien gut ernährt, und sein Herr passte wohl immer gut auf ihn auf. Er kam auf den Alten zu, und dieser kraulte ihn am Kopf. Da folgte der Hund dem Mann bis ins Haus, legte sich in eine Ecke, rollte sich ein und schlief. Eine Stunde später erwachte der Hund, ging bis zur Tür, und der Mann ließ ihn wieder raus. Am nächsten Tag das Gleiche: Der Hund kam, schlief eine Stunde, dann ging er wieder weg. So ging das ein paar Wochen. Da entschloss sich der Alte, dem Hund einen Zettel an das Halsband zu knüpfen, in dem er sagt: „Ich würde gerne erfahren, wer der Herr dieses wunderbaren Hundes ist und fragen ob er weiß, dass der Hund täglich bei mir sein Mittagsschläfchen hält“. Am nächsten Tag kam der Hund wieder, und am Halsband hing die Antwort: „Er wohnt in einem Haus mit sechs Kindern, zwei davon unter drei Jahren. Er versucht wohl bei Ihnen ein wenig zu ruhen. Kann ich morgen mit ihm gehen?“.
Wollen wir bis ins Alter hinein gute Eltern, gute Großeltern sein? Wollen wir bis zum Ende Freunde haben? Wollen wir harmonisch mit unseren Nachbarn, mit den Gliedern unserer Gemeinde leben? Vieles hängt von uns ab. Mit einem alten Knurrsack, der immer nur reklamiert, der nicht mal mit sich selber zufrieden ist, der immer alles besser weiß, will kaum jemand zusammen leben. Gott will uns bei dieser Suche helfen, deshalb seine wunderbare Zusage bei Jesaja. Wohl nicht immer schaffen wir es, aber da gilt, was durch die ganze Bibel hindurchgeht: Gott liebt uns trotz unserer Fehler. Auch die Knurrsäcke.

P. Alfred Creutzberg