Singet dem Herrn ein neues Lied!
Das ist der Anruf, dem ich am meisten Gehör verschaffte, die Einladung, die ich mein Leben lang für die schönste hielt in all den Jahren meiner Tätigkeit als Pfarrer.
Ein neues Lied singen… Gemeint ist: wir sollen immer wieder ein Motiv finden unter den so vielen Motiven die wir haben, um Gott unser Lob zu bringen. Jeder neue Morgen, jeder neue Augenblick des Lebens gibt uns tausend neue Gründe, um Gott ein Lied zu singen, sodass wir es überhaupt nicht nötig haben, dem Herrn – wie eine alte abgeleierte Schallplatte – immer dieselben Dinge zu loben und Ihm zu singen.
Und wenn du mich bitten würdest: “Dorival, singe mir mal deinen Traum, dein Verlangen, deine Hoffnung!”, so würde ich mit der gröβten Leidenschaft, mit der ich es könnte, ein Lied von mir in deutscher Fassung (Teilen wir unser Brot), und eins von D. Zills (Brasilianisches Magnificat) singen:
Teilen wir uns unser Brot (1. Str.)
Teilen wir uns unser Brot, teilen wir uns auch die Arbeit,
Trinken zusammen vom Wein, wohnen gemeinsam im Garten.
Teilen wir uns unseren Hunger, lindern wir so unser Elend,
Säen wir blühendes Leben und ernten mit allen die Früchte von Gott.
Sieh, wie dein Glauben die Berge in Täler verrückt,
Sieh, dass dein Handeln dann Arme wie Reiche beglückt:
Teilt euch den einen Laib Brot,
teilt euch den einen Krug Wein!
Brasilianisches Magnificat (1. + 3. Str.)
Ich lasse Gott groβ sein, ihn will ich loben,
der mich aus dem Staub und Elend gehoben,
mein Schicksal mit dem der Menschen verwoben:
sie singen sein Lob, weil er mich erhob.
Trotz Zeichen des Fluchs an Tischen und Wänden, ich
fühl mich geborgen in seinen Händen,
die stark sind, die Nacht des Tods zu beenden:
Sein Atem in mir, sein Leben in dir.
I c h meine, s a g e n zu können: mein Traum ist dein Traum, dein Verlangen unser Verlangen, unsere Hoffnung die Hoffnung aller Menschen, denen Gott und die Zukunft nicht gleichgültig sind.
|
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!! (Psalm 98). |
Deshalb gilt uns immer noch der Aufruf: singt dem Herrn ein neues Lied. Denn Gott ist trotz allem, was uns mehr oder weniger belastet, immer noch der König; noch regiert er, noch hat er die Welt unter seiner Kontrolle.
Wer auf diesen Herrn hofft und sich einlässt auf Würde für alle Menschen, kann gar nicht anders als mit aller Leidenschaft dem Herrn zu singen ein neues Lied.
Singt… Musik und Gesang sollten unter uns Menschen nie fehlen! Sie sind uns als Gottes Gabe geschenkt worden, was uns der deutsche Dichter Jean Paul in einem Traum sehr eindrucksvoll zu erzählen weiβ:
Es trat der Schutzengel vor Gott und sprach:
“Du, unser Herr und Vater, gib deinen armen Menschen doch eine bessere Sprache.” Gott antwortete: “Warum denn? Sie können doch alle gut sprechen! Ich gab ihnen damit sogar mehr als den Tieren, die können so nicht sprechen. Was die Menschen haben, das mag für sie genügen.” “Nein”, erwiderte der Schutzengel, “die Menschen können es aber doch nicht zum Ausdruck bringen, wenn sie sich freuen oder wenn sie sehr traurig sind.” “Doch”, entgegnete Gott, “wozu gab ich ihnen denn die Tränen zum Weinen und das Lachen zum Freuen – ist das etwa nicht deutlich und gut genug?” “Nein”, es ist nicht genug”, bat der Schutzengel weiter. “Die Menschen brauchen noch eine andere höhere Sprache – eine Sprache, die aus dem Herzen kommt, und die zum Herzen führt.” Daraufhin sprach Gott: “Also gut, gehe zu den Menschen hin und lehre sie das Singen.”
Gebet
Du machst uns singen, Gott.
Du befreist unsere Sehnsucht.
Du befreist unsere Lust.
Gib uns den Atem dazu.
Gib uns die Gemeinschaft.
Gib uns deinen Geist. Amen

Pfarrer
Dorival Ristoff