Diesmal möchte ich eine kleine Geschichte weitergeben, die mir zu einer sehr wertvollen Erkenntnis verholfen hat. Hoffentlich kann diese Kurzerzählung auch Ihr weiteres Leben bereichern:
Einem Bauern lief eines Tages sein einziges Pferd davon und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein einziges Pferd ist weggelaufen: welch ein Unglück!“
Der Bauer antwortete: „Wer sagt denn dass dies ein Unglück ist?“
Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück – und brachte ein Wildpferd mit. Da sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das einzige Pferd davon – und dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“
Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“
Das Wildpferd wurde von seinem ältesten Sohn eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“
Der Bauer gab zur Antwort: „ Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“
Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs ins Dorf und zogen alle jungen Männer zum Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück – mit seinem gebrochenen Bein.
Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“
Der Bauer: „Wer sagt denn, dass dies ein Glück ist?“
Endlos könnte man dieses Märchen weitererzählen. Adalbert Ludwig Balling ergänzt es wie folgt: „Glück oder Unglück – wer kann das schon unterscheiden? Oft erfahren wir erst im Nachhinein, dass vermeintliches Glück gar keines war und dass ein offensichtliches Unglück am Ende Glück bedeuten kann. So sollten wir nicht zu schnell urteilen, was „schlecht“ im Leben läuft. Manchmal entdecken wir, dass besonders die schweren Zeiten des Lebens im Nachhinein ein großes Geschenk waren.“
„Wer unter dem
Schirm des Höchsten
sitzt und unter
dem Schatten
des Allmächtigen
bleibt, der spricht
zu dem Herrn:
Meine Zuversicht
und meine Burg,
mein Gott, auf
den ich hoffe!“
(Psalm 91,1-2) |
Vor allem dürfen wir als Christen fest daran glauben, dass wir nicht allein sind. Auch im Unglück ist Gott bei und mit uns. Auch nach dem Tod werden wir bei Ihm sein, denn Jesus hat den Tod besiegt und lebt. Wenn Jesus Christus lebt, dann muss man Ihn auch erleben können. Dann muss es den Christen möglich sein, mit neuer Hoffnung und neuer Kraft diese Welt, hier und jetzt, verändern.
Wir können Neues entwickeln, mit Blick auf Gottes herrliche Zukunft, von der es heißt: „…und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das alles ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Verse 4 und 5a).
Auch ein Gedicht von Wolfgang Borchert erzählt uns v o n Zuversicht:
„ W a s morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: JA.
So wie die Blume still im Regen abends spricht,
weil sie im neuen Licht auch wieder blühen will:
Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: JA.“
Ach, wenn ich das nur immer so könnte… Ja sagen! Ja zum Heute. Ja zum Morgen. Ja zu mir. Ja zu Gestern. Ja zum Leben. Ja zur Liebe. Einfach Ja. Nur mit Gottes Hilfe kann ich Ja sagen, egal was kommt. Es ist eine tiefe Zuversicht, die dieses JA so groß macht.
Der Theologe Pascale Käser- Huber schreibt dazu: „Ich glaube, dass Vertrauen der Boden ist, aus dem Zuversicht wachsen kann. Gottvertrauen!“ Viele biblische Bilder und Texte erzählen davon: Vom Vertrauen, aus dem Zuversicht wachsen kann. Der Beter des 91. Psalms spricht Gott an als: mein sicherer Ort und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue. Und Timotheus schreibt in seinem Brief: Ich weiß, an wen ich glaube. Solches Vertrauen, solches Gottvertrauen, dürfen wir weitergeben.
Die Bibel ist voll von weiteren Vertrauensgeschichten. Daher brauchen wir immer Gottes Wort als Trost und Ermutigung, denn sie zeigt uns, wohin unsere Reise geht, in guten und in schlechten Zeiten. Der Dichter Jörg Zink schreibt dazu folgende Verse:
Es gibt Menschen,
die die Bibel nicht brauchen.
Ich gehöre nicht zu ihnen.
Ich habe die Bibel nötig.
Ich brauche sie, um zu verstehen,
woher ich komme.
Ich brauche sie, um in dieser Welt
einen festen Boden
unter den Füßen
und einen Halt zu haben.
Ich brauche sie, um zu wissen,
dass einer über mir ist
und mir etwas zu sagen hat.
Ich brauche sie,
weil ich gemerkt habe,
dass wir Menschen
in den entscheidenden Augenblicken
füreinander keinen Trost haben
und dass auch mein eigenes Herz
nur dort Trost findet.
Ich brauche sie, um zu wissen,
wohin die Reise mit mir gehen soll.

Pfarrer
Jaime Jung